OPENING NIGHT  
SAVAGE GRACE
WILDE UNSCHULD
USA/Spanien 2007, 35mm, 96 min, englische OmdU
REGIE Tom Kalin DARSTELLER Julianne Moore, Stephen Dillane, Eddie Redmayne, Hugh Dancy, Elena Anaya DREHBUCH Howard A. Rodman, Natalie Robins + Steven M. Aronson (Buch) RODUZENTEN Iker Monfort, Katie Roumel, Christine Vachon, Pamela Koffler VERLEIH Concorde Filmverleih
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Dies ist ein unglaublich ambitionierter Film, der sich über mehr als vier Jahrzehnte, auf die USA sowie mehrere europäische Länder erstreckt, und in dem einfach jede Frisur, jedes Kostüm, jedes Dekors perfekt sitzt. Die besessene Detailgenauigkeit ist Sinn und Zweck der Übung: Mit atemberaubender Präzision isoliert Regisseur Tom Kalin seine Figuren in ihrer eigenen Welt, in ihrem goldenen Käfig, in dem Anstand und Moral mit zunehmender Dekadenz ausgehöhlt werden, bis sie zum Schluss nichts als sich selbst besitzen. Das erhöht und verdichtet nicht nur die Tragik des Gezeigten, sondern macht die Tragödie überhaupt erst möglich.
In sechs Akten bereitet uns Kalin die wahnsinnige Geschichte von der bröckelnden Ehe des Zynikers Brooks Baekeland (Erbe des steinreichen Plastik-Imperiums Bakelite) und seiner gefallsüchtigen Ehefrau Barbara. Dabei herrscht von der ersten Minute an eine eisige Atmosphäre. Die wertvollste Waffe im rücksichtslos mit Provokationen und Bitterkeit geführten Ehekrieg ist Sohn Tony, der auch dessen größtes Opfer wird. Obwohl Tony schon früh weiß, dass er schwul ist, streckt er der Familie zuliebe zunächst seine Fühler zum anderen Geschlecht aus und muss miterleben, wie ihm seine Angebetete ausgerechnet vom eigenen Vater ausgespannt wird. Was eine perfide Kette von Ereignissen auslöst, die Mutter und Sohn näher zusammenbringen, als gesund ist, und in einer Ménage à trois gipfelt, die in ihrer expliziten Eindeutigkeit im Kino ihresgleichen sucht.
Julianne Moore leistete als Lieblingsschauspielerin von Todd Haynes in SAFE und FAR FROM HEAVEN bereits Unglaubliches. In der Rolle der Jetset-Dame, die vor ihrer eigenen Leere die Waffen strecken muss, wächst sie in diesem psychologisch fein austarierten und mit genau dem richtigen Maß an Exaltiertheit umgesetzten Erotikmelodram über sich selbst hinaus. Aber die eigentliche Entdeckung des Films ist der attraktive Eddie Redmayne als schwuler Sohn, der inmitten des Zerfalls einer Dynastie und erdrückt von der Liebe der Mutter zum Äußersten getrieben wird.
Vor 16 Jahren sorgte Tom Kalin mit der Verfilmung eines True Crime – des berüchtigten Mordfalls Leopold und Loeb in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts – für Aufsehen und wurde neben dem vogelwilden Gregg Araki (TOTALLY FUCKED UP) und dem intellektuellen Todd Haynes (POISON) als Mitbegründer des New Queer Cinema gefeiert. Während seine beiden Mitstreiter in der Folge ihren Ruf konsolidieren konnten, wurde es um Kalin nach SWOON stiller. Bis heute. Bravourös, kraftvoll und gereift gelingt ihm mit SAVAGE GRACE, dessen Geschichte übrigens ebenfalls auf einem wahren Verbrechen beruht, welches 1972 die amerikanische Society erschütterte, ein furioses Comeback!

MÜnchen

Frankfurt
KÖln
Berlin

 

02 April / 20.00 Uhr / City
02 April / 22.00 Uhr City
09 April / 20.30 Uhr / Metropolis 8
10 April / 20.30 Uhr / Cinedom 9
16 April / 20.15 Uhr / Kino 4
17 April / 17.15 Uhr / KINO 6