TWO DRIFTERS Portugal 2005, 35mm, ca 101 min, portugiesische OmeU
Hitchcocks VERTIGO und Bergmans PERSONA, verstörende Studien über Identität und Obsession, standen Vorbild für dieses portugiesische Melodram von João Pedro Rodrigues (O FANTASMA), das sensationell maßlos über sein Ziel hinausschießt und dessen delirierendem, absurdem Charme man sich nicht entziehen kann. Vom selben Ereignis, aber aus völlig unterschiedlichen Gründen, werden der junge Schwule Rui und Odete, eine atemberaubende Schöne aus der Nachbarschaft, aus der Bahn geworfen. Bei Rui kann man es nachvollziehen: Gerade noch hatte er seinen Lover Pedro geküsst; Minuten später stirbt dieser bei einem Autounfall. Odete wiederum hatte eigentlich keine Verbindung zu Pedro – aber sie projiziert ihre Lebensmisere und ihre eingebildete Schwangerschaft so intensiv auf den Verstorbenen, dass sie sogar so weit geht, sich lasziv an dessen Grabstein zu reiben. Wie gesagt, eigentlich unmöglich, das Ganze. Aber auch ein faszinierend starkes Stück. Und schließlich unwiderstehlich, wenn Odete beginnt, Pedros Identität anzunehmen und Rui zu verführen, der bislang Zuflucht in anonymem Sex gesucht hatte. Was schließlich zur Melodie von Henry Mancinis „Moon River“ in dieser, wenn man so will, romantischen Komödie der Verhaltensextreme kurz vor dem Abspann passiert, muss man gesehen haben, um es wirklich zu glauben. Aber schon davor kann man die Augen nicht abwenden von den genauen Bildern Rodrigues’, der dem Irrwitz der Handlung zum Trotz tolle Szenen eines ganz modernen Portugal zeigt. “Think of the Portugese director João Pedro Rodrigues as an animal behaviorist who specializes in human beings. In his first feature, O FANTASMA, a lonely, lustful garbage collector is seized by the urge to don a latex cat suit and prowl the streets. The lost souls in Rodrigues’ TWO DRIFTERS stick to their street clothes, but the urges that grip them are just as powerful.” L.A. Times
REGIE DARSTELLER DREHBUCH PRODUZENT WELTVERTRIEB / PRODUKTION VERLEIH
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