GO WEST Bosnien und Herzegowina / Kroatien 2005, 35mm, ca 97 min, bosnische OmeU
Das muss man sich erst einmal trauen, im Debütfilm noch dazu: Kriegsdrama und Western-Satire vermischen und als schwule Liebesgeschichte aufbereiten, die sich ausgerechnet den Balkankrieg als Kulisse ausgesucht hat. Hut ab allein vor der Idee und der Chuzpe von Ahmed Imamović, der alle denkbaren Tabus auf die Hörner nimmt. So sind die Liebenden, Kenan und Milan, nicht nur schwul, sondern eben auch noch Kroate und Serbe, also Moslem und Christ. Um nach der Flucht aus Sarajevo nach Kriegsbeginn 1992 sein Leben vor serbischen Milizen zu retten, verkleidet Kenan sich als Frau und gibt sich als Milans Gattin aus. Nach ihrer Ankunft in Milans Heimatstadt im Osten von Bosnien nimmt GO WEST zunehmend surreale Züge an: Besagte Stadt wurde von Milans Vater nach dem Vorbild einer texanischen Westernstadt errichtet, sodass man alsbald das Gefühl hat, als befände man sich in Emir Kusturicas Version von MCCABE AND MRS. MILLER – mit dem Unterschied, dass die Missus ein Mister ist, nur niemand merkt es. Mit Ausnahme einer liebeshungrigen Frau wohlgemerkt, die Druck auf Kenan auszuüben beginnt. So paaren sich Aspekte von CHARLEYS TANTE mit der brutalen Unmenschlichkeit des Krieges, der man filmisch entweder mit Größenwahn oder eben als Farce – siehe M.A.S.H. oder CATCH 22 – begegnen kann: Wie zuvor Danis Tanovićs NO MAN’S LAND hat sich Imamović für Letzteres entschieden. Und einen bemerkenswerten Film geschaffen. This film has to be seen to be believed: Dressing up as a mix between western-satire and wartime drama, Ahmed Imamović’s second feature tells a quite courageous gay love story between a Muslim Croat and a Christian Serb against the backdrop of the war in Yugoslavia. By juxtaposing almost surreal farcical elements with the cruel realities of war, GO WEST works as a passionate cry for humanity and understanding in inhuman times.
REGIE DARSTELLER DREHBUCH PRODUZENTEN WELTVERTRIEB / PRODUKTION
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