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Queer Fokus
THE GIRL OF SILENCE

Japan 1995
Regie arato genjiro
Darsteller nakamura mami, momoi kaori, akiyama michio, harada yoshio, yajima ayumi, urasawa kohei

 

In ihrer Fantasie-Welt erschafft sich die hübsche Shizuko einen engelsgleichen blonden Jungen, eine Metamorphose ihres leiblichen Vaters, den sie schmerzlich vermisst. Gleichzeitig ist der Junge mit den übersinnlichen Kräften das Wunschbild ihrer selbst. Denn gegen die täglich eskalierende Gewalt ihres Stiefvaters benötigt die 14-Jährige in ihren Tagträumen für ihr Seelenheil ein ebenbürtig ansteigendes Magiepotential. Das Zeichnen von Mangas (japanischen Comics) wurde ihr zwar verboten, aber ihr Geist ist ungebrochen kreativ.

Zweimal die Woche besucht der neue “Herr Vater” die Mutter, die zur bloßen Mätresse verkommen ist. Hanebüchene Benimmregeln setzt er drakonisch durch, beäugt gierig Shizukos Reifungsprozess und findet letztendlich eine offizielle Entschuldigung, das Mädchen mit Vergewaltigungen zu bestrafen.

Der schockierende Nachdruck dieser autobiografischen Verfilmung liegt genau in diesen Rechtfertigungsversuchen, sowohl des Täters als auch der Mutter. Sie weiß Bescheid, mischt sich niemals ein und gibt nicht vor an bessere Zeiten zu glauben. Unermüdlich sucht sie das frauenverachtende Verhalten ihres Mannes zu verteidigen. Das vorherrschende Gefühl gegenüber ihrer Tochter: Eifersucht.

Dieses ultrarealistische Regiedebüt von Arato Genjiro basiert auf dem Leben und Werk von Uchida Shungiku (in Deutschland unter dem Titel “Wenn der Morgen kommt, werde ich traurig” veröffentlicht). Das kleine Mädchen von damals hat es geschafft, sich ihren Lebenstraum zu erfüllen: Uchida ist heute eine angesehene japanische Manga-Künstlerin.

 

In his directing debut the experienced producer Arato Genjiro proves that a striking soundtrack, fantastic sets and pithy humor do not need to be a stranger to the most uncompromising condemnation of sexual child abuse – and its tolerance.